Weihnachtsgeschichte 2016 - Fran

Es war einmal ein kleines Hundebaby. Frisch geboren lag es zwischen seinen Geschwistern am warmen Bauch seiner Mutter und sog mit viel Genuss die süße Muttermilch in sich hinein. Die Tage vergingen und der kleine Welpe wurde größer. Abenteuerlustig erkundete er seine Umwelt und je größer er wurde, desto weniger nahm er Notiz von den Worten seiner Mutter: „Geh nicht zu weit, sonst kommt der böse Mann und holt Dich“, warnte sie ihn, doch bevor sie zu Ende reden konnte, war der Kleine auch schon wieder weg.

Eines Abends wunderte sich der kleine Welpe, dass in der fernen Stadt ganz viele Lichter brannten. Aufgeregt lief er davon und schaute nicht ein einziges Mal zurück. Leckere Gerüche schlichen sich in seine Nase, er hörte Menschen singen, Kinder lachen.  Als er vor einem großen Haus ankam, bestaunte er mit seinen bernsteinfarbenen Augen eine große Tanne, die mit vielen Lichtern und Kugeln geschmückt war. Der kleine Welpe war so angetan, das er freudig bellte und um sich selber tanzte. Auf einmal öffnete sich eine Tür und ein großer Mensch kam auf ihn zu, nahm ihn auf den Arm und trug ihn in das Haus hinein. Sofort rannte ein Bub auf ihn zu und die ganze Nacht spielten sie ausgelassen zusammen.

Es vergingen wunderschöne Wochen für den kleinen Welpen, langsam wurde es warm und die ersten Blumen begannen zu blühen. Oft dachte er an die Worte seiner Mutter, aber er konnte sich nicht erklären, warum sie ihn immer vor dem bösen Mann warnte.

Eines Tages kam der große Mann, der ihn bei seiner Ankunft auf den Arm nahm, zu ihm, nahm ihn wieder auf den Arm und steckte ihn in sein Auto. Immer weiter entfernten sie sich von dem Haus, dann bogen sie auf eine holprige Strasse und hielten vor einer großen Steinmauer mit einem riesigen, grünen Tor. Ein alter Mann in weißen Stiefeln öffnete das Tor und der kleine Welpe sah, wie sich die beiden Männer die Hand gaben. Dann wurde die Autotür geöffnet und der Mann mit den weißen Stiefeln packte ihn am Kragen. Vor Angst drückte der kleine Welpe ganz fest seine Augen zu und wagte sich kaum zu bewegen. Lautes Hundegebell nahm er war, der Geruch von verwestem Fleisch und faulem Wasser stieg in seine Nase, aber erst als er hörte wie der Mann mit den weißen Stiefeln davon lief, wagte er sich umzuschauen. An einer langen Kette gefangen wuchs der kleine Welpe mitten anderer Hunde heran, denen dasselbe Schicksal galt. Er litt oft Hunger, Ungeziefer quälte ihn jeden Tag, er fror im Winter und der Sommer brannte manchmal so heiß, das er dachte, sterben zu müssen. Der Mann mit den weißen Stiefeln war der einzige Mensch, den er seither zu Gesicht bekam. Oh, er war ja so enttäuscht und schämte sich so sehr, dass er nicht auf die Worte seiner Mutter gehört hatte. Das hatte er nun davon!

Es vergingen Jahre, bis auf einmal ein junger, fremder Mensch auftauchte und seinen Kopf zärtlich streichelte. Der Hund hatte kaum noch Fell, sein Körper war mit Flöhen und Zecken befallen und er war bis auf die Knochen abgemagert. Mit einem Schwamm wusch der Fremde seinen Körper und der Hund spürte, wie das Ungeziefer an ihm herunterrieselte. Dann löste der Fremde seine Kette und an einer Leine lockte er ihn in sein Auto. Als sie neben dem Haus stoppten, in dem der Hund als Welpe seine wohl wunderschönste Zeit verbracht hatte, wunderte er sich. Was sollte er hier? Der Fremde kniete sich zu ihm hin und kraulte seinen Kopf. „Du hast mich womöglich vergessen”, sagte er, „aber ich Dich nie! Ich bin das Kind von diesem Haus, jetzt groß wie Du. Bitte verzeih meinem Vater, so wie ich ihm verziehen habe und lass uns die verlorene Zeit nachholen! ” Der Hund schaute verstört in den dunklen Himmel, es war bereits Nacht und da sah er einen Stern. Der Stern kam immer näher und auf einmal erblickte er seine Mutter. Mit einem Lächeln nickte sie ihm zu. “Hättest Du mal auf mich gehört und wärst nicht immer wieder davon gerannt. Dann hätte ich Dir sagen können, dass es unter den bösen Menschen auch Gute gibt. Man musst sie aber erst finden, oder so wie Du gefunden werden”.

Diese frei erfundene Geschichte widmet die Finca Esquinzo Fran und allen seinen Leidensgenossen mit ähnlichen Schicksalen. Leider konnten wir diesem sehr speziellen Hund nur für eine kurze Zeit ein wahres Hundeleben ermöglichen. Vor seinem Tod war Fran fest nach Deutschland vermittelt und seine neue Familie reiste sogar auf die Insel um ihn abzuholen. Leider kam es jedoch nicht mehr dazu, denn Fran verstarb unerwartet 4 Tage vor seiner Abreise an einem bösartigen Nierentumor.

Es gibt kein Leid, das nicht vom Glück erlöst wird! An Stelle von Fran durfte nun Kayah in diese Familie ausreisen. Als wir die Hündin aus der Perrera holten, konnte sie kaum etwas sehen und hatte eine schlimme Ohreninfektion. Zusätzlich wurde bei der 3 jährigen Hündin ein massiver Hüftschaden rechts diagnostiziert. Heute erscheint sie wie ein neuer Hund und es würde uns nicht wundern, wenn sie nachts in den Himmel blicken würde und Fran sieht, wie er ihr zunickt. Tatsächlich gibt es unter den Menschen nicht nur böse, sondern auch gute, man muss sie nur finden oder von ihnen gefunden werden!