Abschied von Bell

Ein herzloser, grausamer Mensch hatte ihr den Schädel eingeschlagen, diesen Schmerz konnte sie nie verwinden und auch nicht die Angst vor uns Menschen. Aus diesem Grund kam sie im Dezember 2003 aus der Perrera von Puerto del Rosario als unvermittelbarer Hund zu uns, damals war sie 4 Jahre alt.

In ihrem Tagebuch ist zu lesen, dass sie das erste Jahr auf der Finca weit ab vom Geschehen verbrachte, sie kam nur zum fressen an die Häuser. Dann, im Sommer 2004, suchte sie zum ersten Mal Schutz in unserer Nähe. Die Jäger trieben sie zu uns, das laute Hundegebell, die Schüsse, die Panik!  Und wir erlaubten ihr, sich in unserem Haus unter dem Tisch zu verstecken und für Bell war alles gut. Berühren? Bitte nicht. Bell zitterte am ganzen Körper.

In 2006 nahm  sie aus Christiane Herold’s Hand in zum ersten Mal ein Hundeleckerli ! Aber weder schmackhafte Schweineohren oder Pansen, noch Bachblüten, konnten Bell helfen und sie davon überzeugen, das es auch gute Menschen gibt . “Zwangsstreicheln” und ausbürsten  (im Sommer, während der Jagd und unter unserem Tisch), an der Leine laufen (da schafte sie es sogar sich aus einem Brustgeschirr zu winden), Bell lebte in und mit ihrer Angst bis heute!

Die letzten Tage war plötzlich alles anders. Bell legte sich zum schlafen in den engen Eingang, sie war krank, aber statt Hilfe bei uns, die sie in den 10 Jahren nie geschlagen haben zu suchen, rannte sie doch weg, bis heute, dann verließ sie die Kraft!

Eine Träne weine ich für sie weil sie in mir nie Vertrauen finden konnte, eine Träne für das einsame Leben, das sie führen musste, weil ein grausamer Mensch sie seelisch zerstümmelt hat. Ganz viele Tränen laufen über mein Gesicht, weil ich ihr in ihren letzten Tagen nicht helfen durfte, weil ich ihren tiefen Schlaf im Gang auf ihre Taubheit zurückführte, und nicht auf eine Krankheit die sie heute einschlafen ließ.

 

Aber ein Lächeln huscht trotz des Schmerzes über meine Wangen. Ich fühle große Dankbarkeit! Was wäre aus Bell geworden gäbe es keine Finca Esquinzo? Sie durfte 9,5 Jahre in Ruhe Leben!  Jeden Morgen und Abend mit den anderen Vierbeiner heulen und singen. Wenn auch nicht mit uns Menschen, dann doch mit den Hunden. Das war ihr Leben, das was sie wollte und sie war glücklich, davon bin ich überzeugt

Ihre Stimme werde ich vermissen, nicht aber ihre Nachricht, die sie mir ihr Lebenlang vermittelt hat. Fass mich nicht an, füll mir den Fressnapf und ich singe für Dich. Das war ihre Art mir Danke zu sagen.